Beim Wein sind Badener und Schwaben glücklich vereint - Neues aus dem Weinland zwischen Rhein und Neckar

07.03.2012

Wein ist im Südwesten Deutschlands ein Kulturgut. Wie sehr der Wein sich „völkerverbindend“ auswirkt, zeigt das Beispiel der Weinregion Kraichgau-Stromberg. Zwischen Rhein und Neckar, dem Odenwald und dem Schwarzwald schlängelt sich die Weinstraße Kraichgau-Stromberg über 355 Kilometer.

Als einzige Weinstraße Deutschlands verbindet sie zwei bedeutende Weinbaugebiete, nämlich Baden und Württemberg. Es gibt sogar Winzer, durch deren Weinberge die alte Grenze zwischen Baden und Württemberg verläuft. Doch das ist eine andere Geschichte.
 
Das Weinjahr 2011 war an der Weinstraße Kraichgau-Stromberg ein Jahrgang der Extreme - die Lese so früh wie nie, lange Trockenperioden und trotzdem eine der größten Erntemengen der letzten 25 Jahre. Bei der Frostnacht Anfang Mai sind die Weinbauern im Kraichgau und Stromberg mit einem blauen Auge davongekommen. Die Weißweine präsentieren sich mit viel Frucht und guter Balance; die Rotweine als farbintensive, runde Tropfen.
 
Zeit für den Weinfreund, sich auf den Weg zu machen, um die neuen Weine zu probieren. Am besten auf einem der zahlreichen Weinfeste oder Jungweinproben oder in einer der urigen und gemütlichen Besenwirtschaften. Ein dichtes Netz von Rad- und Wanderwegen führt zu kleinen Fachwerkstädtchen und malerischen Dörfern. Vorbei an zahlreichen romantischen Burgen, schönen Schlössern und interessanten Klöstern.
 
Eingebettet in sanfte Hügel mit Wiesen, Feldern, Laub- und Mischwäldern, gedeihen die Reben auf sanften Hängen, Terrassen- und sogar Steillagen. Besonders im Kraichgau liegen die Weinberge versteckt in Seitentälern und in Nischen, umgeben von fruchtbarem Ackerland. Auf den ersten Blick vermutet der Besucher hier kein Weinbaugebiet. Hinter Schwaigern im Stromberg sind die Rebflächen dann schon größer und zusammenhängender und zeigen das typische Bild einer vom Weinbau geprägten Landschaft.
 

Vielleicht kennt man in der Weinwelt nicht unbedingt den Namen Kraichgau und Stromberg. Die Spitzenwinzer der Gegend und ihre Weine sind aber sehr wohl auch dem Kenner außerhalb Baden-Württembergs bekannt. Von Brackenheim, Geburtsstadt des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss und größte Rotweingemeinde Deutschlands, ist es nur ein Steinwurf zum berühmten Schlossgut der Grafen Neipperg in Schwaigern. Ernst Dautel in Bönnigheim gehört seit Jahren vor allem mit seinen dichten Rotweinen zu den besten Winzern Württembergs. An den westlichen Hängen des Strombergs, im malerischen Dörfchen Diefenbach (Sternenfels) liegt auch das aufstrebende Weingut Häußermann mit tollen Lembergern (noch) zu Schnäppchenpreisen. In der Häußermannschen Wengertstube sind traditionelle Besengerichte bis hin zu Feinschmecker-Degustationsmenüs im Angebot.
 
Im historischen Kürnbach, wo die Hügel des Kraichgaus in den Höhenzugs des Strombergs übergehen, hat man sich dem Schwarzriesling verschrieben. Trotzdem muss es in Kürnbach nicht immer Schwarzriesling sein. So gibt es beim Weingut und Feinschmeckerbesen Plag im Barrique ausgebaute Weißburgunder, Lemberger und Spätburgunder. Die Familie Czech erzeugt sortenreine Sekte aus Lemberger oder Riesling – alle nach der Champagnermethode in Flaschengärung.
 
Kraichgauer Spitzenweine findet der Kenner schon lange beim Weingut Heitlinger in Östringen-Tiefenbach, beim Marquis zu Hoensbroech in Angelbachtal oder auf Burg Ravensburg in Sulzfeld, das zu den ältesten Weingütern Deutschlands gehört. Später machte sich das Weingut Thalsbach in Östringen mit seinen biologisch angebauten Weiß- und Grauburgundern einen Namen. Mit der Rotwein-Cuvée namens „Fundo“ stellen die Weinmacher bei aller internationalen Erfahrung in der Weinwelt ihre Verbundenheit zur Heimat unter Beweis. Fundo zeigt schon in seinem Namen, woher er stammt, nämlich von hier, im Badischen eben „vun do“ und nicht woanders her. Auch bei den Klumpps in Bruchsal wird seit 1996 der Rebensaft biologisch erzeugt. Zu Deutschlands Spitze zählen nicht nur die Burgunderweine des Hauses, sondern auch die Brände des Weinguts Klumpp.
 
Gleich fünf Weingüter aus dem Land der 1000 Hügel (Neipperg, Hoensbroech, Ravensburg, Dautel, Heitlinger) sind Mitglied beim VDP, dem Verband deutscher Qualitätsweingüter, der die Spitzenerzeuger Deutschlands in sich vereint.
Es lohnt sich auf alle Fälle, den neuen Jahrgang der Weinmacher vom Kraichgau und Stromberg zu probieren. Je nach Gusto im edlen und gehobenen Ambiente oder urig rustikal in einer der vielen Besenwirtschaften.
 
Der Kraichgau-Stromberg Tourismus e.V. empfiehlt thematisch passende Führungen durch Reben und Weinkeller. Zum Beispiel die Veranstaltungsreihe „Weinerlebnis im Wechsel der Jahreszeiten“ am 9. März ab 11 Uhr in den Felsengärten Besigheim (17.50 € pro Person, Anmeldung unter: 07143 469539). Und für einen weitreichenden Überblick die Weinmesse Westlicher Stromberg in Maulbronn vom 17. bis 18. März, die sich unter Weinliebhabern im Ländle bereits einen Namen gemacht hat (10 €). In der größten Weinbaugemeinde Württembergs – in Vaihingen an der Enz – wurde ein delikates Jahresprogramm rund um den Rebensaft ausgearbeitet: Weinprobe im Heißluftballon, Wildkräuterversucherle oder eine Weinprinzessin im Weinmuseum.