Ein Jahr im Weinberg

Winter: Alles beginnt

Die Natur hält Winterschlaf; wie eine wärmende Decke liegt der Schnee über den Weinbergen und Weingärten des Landes. So wird verhindert, dass der Frost allzu tief in Boden und Rebstock eindringt. Und so werden die Wurzeln und auch Fruchtaugen am Holz am 
wirksamsten gegen Kälte geschützt. Jetzt – am Anfang jeden Jahres – ist der Winzer gefordert: Das Schneiden der Reben steht an, eine 
der wichtigsten Kulturarbeiten im Weinjahr. So wird dem Rebstock Gestalt und Form gegeben; er wird verjüngt und auch Qualität und Quantität bestimmt. Denn die Rebe ist eine Schlingpflanze, die sich wild wachsend emporrankt. Je nach Sorte wird der Rebstock 
auf etwa 8 bis 12 Augen (Knospen) pro Quadratmeter Standfläche zurückgeschnitten. Das sagt jahrhundertelange Erfahrung und auch wissenschaftliche Erkenntnis. Denn mehr Augen mindern die Qualität, weniger hemmt lediglich den Fruchtansatz. Diese Arbeit im Winter oder nasskalten Frühjahr ist alles andere als angenehm. Aber sie ist notwendig und erfordert viel Fachkenntnis.

Weinberge im Winter

Weitere Arbeiten des Winzers im Winter: 
Die Ruten werden herausgezogen und mit der modernen Maschine gehäckselt; früher hat man noch Berge von Rebholz im Weinberg verbrannt.Für die Neupflanzung im April/Mai muss das Pflanzfeld vorbereitet werden.Und Bodenproben gehen zur Analyse ins SpezialLabor.

Frühling: Reberziehung

Die Reben werden angebunden: Nach dem Schnitt muss jede einzelne Rebe an den Drahtrahmen gebunden werden. Dies beginnt wenn die Schnittstellen „bluten“ (=Saftaustritt). Die grünen Triebe wachsen in diesen Drahtrahmen hinein, ranken sich dort fest. Sonnenstrahlen können die Laubwand dann gut umfassen und die Triebe sind gegen Windbruch geschützt. Diese Arbeiten werden am besten im Regen verrichtet, da die feuchte Witterung verhindert, dass die Ruten beim Biegen brechen.

Weintraube

Weitere Arbeiten des Winzers im Frühling:
Düngen nach der BodenAnalyse – und wenn nötig „Austriebs-Spritzung“ oder Blätter entfernen. Ausbrechen, ausputzen, den Boden bearbeiten – also Mulchen, Fräsen… Dazu gehört auch das Aussäen von Begrünungspflanzen, die zur Nährstoffversorgung des  Bodens dienen. Jetzt beginnt auch der „normale“ Pflanzenschutz, 6-8 Mal bis Anfang August. Die Pflanzen müssen vor Pilzkrankheiten und Mehltau geschützt werden. Während der Rebblüte wird dem Wein ein wenig „Ruhe“ gegönnt.

Sommer: Die Reifephase

Kleine Trauben werden entfernt, damit die verbleibenden Beeren mehr Kraft erhalten. So wird die Qualität des Weines gesteigert. Die Empfehlungen des Pflanzenschutzwarts sind zu realisieren und das Wetter ist zu beachten. Immer wieder schaut 
der Winzer in seinen Weinberg: Ist der Boden in Ordnung? Mulchen, Hacken steht an… Die „Geiztriebe“ müssen entfernt werden (das 
sind im Spätsommer  wachsende Nebentriebe), damit dem Stock nicht zu viel Kraft entzogen wird.

Weinreben im Sommer

Herbst: Die Lese

Alles muss im Weingut organisatorisch gut vorbereitet werden – denn bis zu drei Wochen sind alle Angehörigen und Bekannten des Winzers zur Weinlese eingespannt. Zuerst kommt die Vorlese; auch mögliche faule Trauben sind zu entfernen. Bei der Hauptlese ist 
auf Vollreife und gesunde Trauben zu achten, nicht einfach so „pflücken“. Und die Nachlese bringt Trauben für Spät- und Auslesen. Die Lese wird von Hand oder mit dem Vollernter vollbracht – faule und unreife Trauben kann der Vollernter jedoch nicht aussortieren.
Will der Winzer Eiswein ernten, müssen eventuell die Reben mit einer Folie bedeckt werden. Die Lese für den Eiswein kann erst nach dem ersten Frost beginnen.

Weintrauben nach der Ernte

Nach der Lese, oder „Herbsten“ wie es in der Region genannt wird, haben sich Weinberg und Winzer eine Pause verdient. Bei Neupflanzungen ist zuvor der Weinberg zu roden. Aber auch der Weinbergsboden sollte nach den Lesearbeiten umgepflügt werden.